Makrofotos mit der Nikon D3200 und Einsteigertipps

Makrofotos mit der Nikon D3200 und Einsteigertipps

Verfolgt man die gängigen Fotografie-Foren, so entsteht unweigerlich der Eindruckt, viele DSLR-Einsteiger stehen nach kurzer Zeit vor der Frage, welches Makro-Objektiv für ihre Nikon D3200 (oder D3100, D3300, D5100, D5200, usw.) denn nun geeignet ist, nachdem sie feststellen mussten, dass mit dem im Kit gekauften Objektiv in Sachen Makrovermögen schnell die Grenzen erreicht sind (Liste geeigneter Makro-Objektive für Nikons Einsteiger-DSLR-Kameras). Sowohl was den Abbildungsmaßstab angeht (das heißt wie groß das Motiv im Vergleich zur Realität abgebildet wird), als auch hinsichtlich der Schärfe und Detailzeichnung sind die gängigen Zoomobjektive wie das Nikon AF-S 18-55/3.5-5.6G VR eher bescheiden. Vor einiger Zeit testete ich das damals aktuelle DSLR-Einsteigsmodell Nikon D3200 mit dem Makro-Objektiv Tamron SP AF 90mm 2.8 Di, um zu sehen, was mit dieser Kombination möglich ist.

Dieser Beitrag zeigt einige mit günstigen Kombinationen erzielbare Ergebnisse, gibt Tipps, wie diese erreicht werden können, und enthält einen Überblick über die, für Nikons Einsteiger-DSLR-Kameras geeigneten, Makro-Objektive verschiedener Hersteller.

Weinbergeidechse, Makro mit Nikon D3200
Nikon D3200, Tamron SP AF 90mm 2.8 Di Makro – f/11.0, 800 ISO, 1/1250 Sekunde, 90 Millimeter

Das Wichtigste vorweg: Im Zusammenspiel mit einem hochwertigen Markroobjektiv gelingen auch mit einer Einsteigerkamera wie der Nikon D3200 beeindruckende Makrofotos (siehe Beispielfotos weiter unten und im separaten Blog-Eintrag Nikon D3200 Makro-Beispielbilder). Darüber hinaus lässt die hohe Auflösung von 24 Megapixeln genug Spielraum, um das Bild weiter zu croppen, das heißt später am Computer das Foto zu beschneiden und so den Eindruck einer noch stärkeren Vergrößerung zu erzeugen.
Am Ende dieses Blog-Eintrags ist eine Übersicht aller zur Nikon D3200 geeigneter Makro-Objektive. Die dort aufgeführten Objektive sind zur D3200 und vergleichbaren Nikon-Kameras wie D5200, D5100, D3300, D3100, usw. vollständig kompatibel.

Nikon D3200 Makro: Einstellungen

Auch für die D3200 gilt bei Makros aus der Hand: Autofokus-Einstellung AF-C für kontinuierliche (Continous) Nachführung des Fokus. Diese Einstellung ist notwendig, um zum einen eigene Schwankungen auszugleichen – der Mensch ist kein Stativ :-) – und zum anderen um eventuelle Bewegungen des Motivs auszugleichen. Ein Insekt auf einer Blüte schwankt im Grunde immer, mal mehr mal weniger, im Wind. Bei Makrofotos spielt selbst das geringste Lüftchen eine enorm große Rolle, da der Schärfebereich (Schärfentiefe) extrem schmal ist. Je weiter man sich dem Motiv nähert, je größer der Abbildungsmaßstab wird, desto mehr “schmilzt”, bei unveränderter Einstellung des Blendenwerts, dieser ohnehin nur Millimeter(bruchteile) große Bereich, in dem das Objekt scharf abgebildet wird.

Irgendeine Blume aufgenommen mit dem Tamron 90/2.8 Di und Nikon D3200

Blendenwerte

Apropos Blendenwerte. Makrofotos erfordern vergleichsweise große Blendenwerte, das heißt kleine Blendenöffnungen. Größere Öffnungen als f/8 (beispielsweise f5.6, f/4, f/2.8) sind nicht zu gebrauchen – sofern dies überhaupt möglich sind. Denn an der Naheinstellgrenze des Objektivs ist die größte real nutzbare Blende nicht mehr die vom Hersteller angegebene Offenblende. Nikon-Kameras zeigen dies insofern an, als dass man schlicht den Maximalwert ab einem Gewissen Abstand nicht mehr einstellen kann.
Der von den Herstellern in der Modellbezeichnung angegebene Blendenwert, der bei Makro-Objektiven typischerweise f/2.8 ist, bezieht sich auf ein im “Unendlichen” fokussiertes Objekt.

Nach meiner Erfahrung beginnen die sinnvoll nutzbaren Blenden für Makrofotos bei f/8 und enden (bei viel Sonnenlicht) mit f/16. Doch selbst dort bewegt man sich schon im Bereich der Beugungsunschärfe. Die Bildschärfe nimmt also ab, nicht zu. Hintergrund ist die Beugung der Lichtstrahlen aufgrund der sehr kleinen Blendenöffnung.

ISO-Werte und Belichtungszeiten

Je kürzer belichtet werden kann, desto besser, denn selbst vermeintlich minimale Bewegungen haben bei Makroaufnahmen eine enorm große Bedeutung – selbst bei tatsächlich statischen Motiven bewegt sich weiterhin die Kamera. Um die Gefahr von Bewegungsunschärfe zu minimieren, muss die Belichtungszeit kurz gehalten werden.
Am besten arbeitet man mit vorgegebenen Blendenwerten und gibt damit die Größe der Schärfeebene vor (Nikon-Modus A, Aperture Priority, Zeitautomatik). Die ISO-Werte sollten so niedrig wie möglich gewählt werden, um Belichtungszeiten von mindestens der doppelten Brennweite zu erreichen. Beim Tamron 90/2.8 bedeutet das zum Beispiel eine Belichtungszeit von einem Zweihundertstel und kürzer. Andernfalls drohen, wie beschrieben, Unschärfen durch die eigene Bewegung oder die des Motivs. Nach meiner Erfahrung sind Werte bis 800 ISO bei der Nikon D3200 gänzlich unproblematisch. Selbst die Qualität von Aufnahmen mit 1600 und 3200 ISO ist für die stark verkleinerte Ausgabe im Web oder als kleiner Druck unkritisch.

Aufnehmen im RAW- statt JPG-Format

Wenn man sich schon die Zeit für Makros nimmt, auf der Wiese liegt oder im mannshohen Gras kniet um die richtige Perspektive zu erreichen, dann kann man sich meiner Meinung nach später auch die Mühe machen und ein paar Minuten in Postproduktion investieren. Denn dort ist aus den Rohdaten (RAW) einiges heraus zu holen, das weitaus besser ist, als das von der Kamera produzierte JPG – und sei es nur durch noch engeren Beschnitt des Fotos.

Makro mit Nikon D3200
Nikon D3200, Tamron SP AF 90mm 2.8 Di Makro – f/9.0, 400 ISO, 1/125 Sekunde, 90 Millimeter

Perspektive

Die Aufnahmeperspektive ist vielleicht nicht alles, aber schon sehr, sehr viel auf dem Weg zu einem interessanten Bild. Nichts ist in meinen Augen langweiliger, als Von-Oben-Drauf-Aufnahmen von zum Beispiel Insekten oder Kriechtieren. Schafft man es, zu dem Motiv auch nur annähernd auf Augenhöhe hinab – oder gar darunter, bei Tieren, die man normalerweise nur von oben sieht -, so entstehen ohne großes Zutun spannende Fotos. Allein, weil die Perspektive ungewöhnlich ist.

Nikon D3200 Makro: Beispielbilder

Genug erzählt, denn Bilder sagen mehr als tausend Worte… oder so ähnlich.

In den Bildeigenschaften sind die EXIF-Daten einschließlich Blenden- sowie ISO-Wert und Belichtungszeit hinterlegt. Alle Bilder entstanden an einer Nikon D3200 mit einem Tamron SP AF 90mm 2.8 Di Makro (Ausführung mit Motor).

Nikon D3200 Makro: geeignete Markoobjektive

Beim Kauf eines Makroobjektivs für die D3200 (sowie D3000, D5000, D5100 und D5200) ist darauf zu achten, dass das Objektiv einen eingebauten Motor mitbringt. Anderfalls ist ausschließlich manuelles Scharfstellen angesagt. Bei Nikon sind Objektive mit eigenem Motor an der Bezeichnung “AF-S” erkenntbar. Tamron hängt seinen motorisierten Objektiven neuerdings das Kürzel “USD”, Sigma “HSM” an. Für die Nikon D3200 geeignete Makroobjektive sind:

Alle aufgeführen Objektive verfügen über einen eingebauten Autofokusmotor und sind daher für – Luft holen – die Nikon D3000, Nikon D3100, Nikon D3200, D3300, Nikon D5000, Nikon D5100 und Nikon D5200, D5300 geeignet.

Neben der Regel “der Preis steigt mit der Brennweite” gilt bei Makroobjektiven auch “die Anfangsblende spielt keine Rolle”. Ob ein Objektiv eine maximale Blendenöffnung von f/2.8 ermöglicht oder wie das AF-S VR 85/3.5G IF-ED “nur” 3.5 zulässt, spielt im Makrobereich keine, ü-b-e-r-h-a-u-p-t k-e-i-n-e Rolle, die Offenblenden, wie oben beschrieben, ohnehin nicht verwendet werden (können).

Makrofotos nur mit Stativ?

NEIN! Der häufig zu lesenden Behauptung, Makrofotografie sei grundsätzlich nur mit einem Stativ sinnvoll will ich an dieser Stelle deutlich widersprechen. Ich halte sogar das Gegenteil für zutreffender. Wenn Makro, dann ohne Stativ. Zumindest, wenn man es wie ich auf belebte und sich bewegnende Motive abgesehen hat. Wer natürlich zu Hause die Modellautosammlung in der Vitrine oder die Uhrensammlung auf dem Schreibtisch ablichten möchte, der hat zum Belichten alle Zeit der Welt und kann auch vom Stativ arbeiten. Das in diesen Fällen sogar sinnvoll, dann allerdings in Kombination mit Focus Stacking.
Besser sind der Einsatz eines entfesselten Blitz (mit oder ohne Diffusor) oder eines Ringblitz’.

 

Kategorie(n): Ausrüstung, Insekten, Makro, Reptilien, Wildlife

7 Kommentare… add one

  • Nikon D3200 Makro anfänger September 8, 2013 am 11:21 am

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    Suche schon seit längerem Tips mit Markro und der Nikon D3200 Muss wirklich sagen hat mir sehr geholfen :D weiter so!

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  • Matze Dezember 26, 2013 am 11:31 am

    Danke für diese Einführung in die Makro Welt. Und das anhand einer d3200 welche ich mir als Einsteiger gekauft habe. Und die von den “Profis” immer Verteufelt wird anstatt mal wie hier eine vernünftige Einführung zu geben.
    Also danke nochmal und gerne mehr davon.

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  • Anonymous April 11, 2014 am 10:38 am

    Vielen Dank, genau diese Infos habe ich gesucht!

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  • Jonas Juli 24, 2014 am 10:03 am

    Vielen Dank für den Bericht. Eine frage hätte ich da noch. Unterstützt die D3200 auch das vorherige ausklappen des Spiegels? Ich weiss jetzt nicht genau wie die Funktion heisst, aber dies wird oft bei Makrofotografie verwendet damit die Kamera nicht durch den herunterklappenden Spiegel weitere vibrationen erfährt.

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  • Philipp Juli 24, 2014 am 2:13 pm

    Hallo Jonas,

    nein, die D3200 hat keine Spiegelvorauslösung.

    Um zumindest Verwacklung durch das Drücken des Auslösers zu vermeiden (den Spiegelschlag hast du dann natürlich weiterhin), könntest du Selbstauslöser oder einen Fernauslöser versuchen. Fernauslöser (Infrarot oder Kabel) für die D3200 bekommt man für ein paar Euro.

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  • Volker Februar 14, 2015 am 5:11 pm

    Hallo,
    ist es mit diesen Makroobjetiven möglich auch Zwischenringe zu benutzen? Mir schwebt das Nikon AF-S DX Micro 40mm 2.8G seit geraumer Zeit im Kopf rum.
    Danke für Ihre Hilfe und für ihre Website mit den sehr guten Tipps.

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  • Philipp Februar 15, 2015 am 2:36 pm

    Hallo Volker,

    ja, das AF-S 40/2.8G funktioniert mit Zwischenringen. Allerdings sollten es unbedingt Automatikzwischenringe sein, damit die Blende übertragen wird. Beispielsweise diese, diese oder diese.
    Mit den günstigeren nicht-automatik Ringen hat man weder Autofokus (das wäre zu verschmerzen) noch eine verstellbare Blende – stattdessen durchgängig die kleinste Blende des Objektivs. Beim AF-S 40/2.8G wäre das schon beim Scharfstellen f/22. Damit kann man nicht vernünftig arbeiten.

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